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12.12. 2016

Arbeitsmarktpolitik

JedeR vierte zwischen 20 und 24 Jahre ist nur befristet beschäftigt

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) analysierte die Lebenssituation und die Arbeitsbedingungen befristet Beschäftigter. Der typisch befristet Beschäftigte ist jung, Ausländer und schlecht bezahlt. Bei den 20- bis 24-Jährigen haben mehr als ein Viertel befristete Verträge (27,4 Prozent). Die unsichere Beschäftigungsform geht mit erhöhtem Armutsrisiko und negativen Folgen auf Familiengründungen einher.
Die Auswertung aktueller Daten auf Basis des Mikrozensus zeigt, dass die befristete Beschäftigung vor allem ein Problem der Jugend ist. Das WSI hat die Analysen von Dr. Eris Seils in einem Policy Brief (Nr. 8 - 12/2016) veröffentlicht.

Auszüge aus der Datenauswertung Jugend & befristete Beschäftigung:
" (...) Über 60 Prozent der befristet Beschäftigten sind jünger als 35 Jahre, wobei Auszubildende, Praktikantinnen und Umschüler bewusst ausgeklammert wurden. (...)

Der Anteil der befristet Beschäftigten liegt in allen Altersgruppen unter 35 Jahren über dem Niveau der Gesamtbeschäftigung (9,3 %). Junge Frauen unter 35 sind nur geringfügig (19,7 %) häufiger betroffen als Männer der gleichen Altersgruppe (19,0 %).

Bei ihrer Erstbeschäftigung sind einerseits Personen ohne Berufsausbildung, andererseits aber Universitätsabsolventinnen in höherem Maße befristet beschäftigt. Duale Ausbildungen und Fachhochschulabschlüsse erleichtern den Weg in eine unbefristete Beschäftigung. Die befristete Beschäftigung von hochqualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird häufig als Sprungbrett auf eine unbefristete Beschäftigung genutzt. Bei jungen Leuten ohne Berufsausbildung lässt sich dieser Effekt jedoch nicht beobachten.
  • Ausländische Staatsbürger sind besonders betroffen! - Ausländische Beschäftigte sind sowohl in der Altersgruppe von 15 bis unter 35 Jahren als auch in der Gesamtbeschäftigung häufiger befristet beschäftigt als ihre Kollegen und Kolleginnen mit deutscher Staatsbürgerschaft. (...)
  • Keine Kompensation bei den Arbeitszeiten… - Junge Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von 15 bis unter 35 Jahren haben überdurchschnittlich häufig atypische Arbeitszeiten. Außerdem wird deutlich, dass befristet Beschäftigte etwas häufiger an Samstagen, Sonntagen, Feiertagen und zu unerfreulichen Zeiten (Abend-, Nacht- und Wechselschicht) arbeiten. (...)
  • Beim Einkommen sieht es gar nicht gut aus… - Beim Einkommen bestehen recht deutliche Nachteile für die befristet Beschäftigten. Mit dem Anfang 2015 eingeführten Mindestlohn von 8,50 Euro konnte man bei einer 40-Stundenwoche einen Bruttomonatslohn von 1.472 Euro erwirtschaften. Netto blieben davon etwa 1.083 Euro übrig. Vor allem die jungen befristet Beschäftigten sind, die trotz Vollzeitarbeit häufig kaum mehr haben als dieses Minimum. Über ein Viertel der befristet Beschäftigten unter 35 Jahren verdiente mit einer Vollzeittätigkeit weniger als 1.100 Euro. Unter den unbefristet Beschäftigten waren es 9,3 Prozent. Zugleich wird deutlich, dass die großen Einkommensunterschiede nicht so sehr zwischen den Altersgruppen, sondern zwischen befristet und unbefristet beschäftigten Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen liegen. (...)

Der offenkundige Nachteil einer befristeten gegenüber einer unbefristeten Beschäftigung besteht darin, dass die Betroffenen mit erheblicher Planungsunsicherheit konfrontiert sind, die sich auch lebensweltlich auswirkt. So liegt es nahe, dass häufige Stellenwechsel, die möglicherweise mit Ortswechseln verbunden sind, die Bildung stabiler Partnerschaften bzw. Ehen erschweren. Ganz schwierig wird es dann, wenn es um die Familienplanung geht. Kinder kosten Geld, daher verschieben viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit. (...)

15,5 Prozent der befristet Beschäftigten in der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren gehören zu denen, welche trotz Arbeit arm sind. Dies betrifft rund 274.000 Menschen. Unter den unbefristet Beschäftigten ist der Anteil nicht einmal halb so groß. (...)

Die weitere Forschung sollte klären, inwiefern diese Tendenzaussagen zur befristeten Beschäftigung auf kausale Effekte der Art des Arbeitsvertrages zurückzuführen sind."

Den Policy Brief in vollem Textumfang entnehmen Sie dem Anhang.

Quelle:
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung
Dokumente:

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