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16.12. 2013

Ausbildung

Ausbildungsbilanz 2013: immer weniger Betriebe bilden aus

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) legt Ausbildungsbilanz 2013 vor: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist 2013 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Ausbildungsplatznachfrage gingen im Vergleich zum Vorjahr zurück. Zugleich nahmen die Passungsprobleme zu: ein höherer Anteil des betrieblichen Ausbildungsangebots blieb unbesetzt, und mehr Ausbildungsplatznachfrager blieben bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos. Insgesamt verschlechterte sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu Lasten der Jugendlichen. Zum Stichtag 30. September 2013 gingen knapp 84.000 Bewerber/-innen leer aus. Die gute Konjunktur wird nicht flächendeckend in Beschäftigung und Ausbildung umgesetzt. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung.
Auszüge aus der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2013 von Joachim Gerd Ulrich, Stephanie Matthes, Simone Flemming, Ralf-Olaf Granath und Elisabeth M. Krekel:

"Die wichtigsten Eckdaten im Überblick
Im Jahr 2013 sanken sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Ausbildungsplatznachfrage, und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel auf einen historischen Tiefstand, den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Zugleich nahmen die Passungsprobleme zu: ein höherer Anteil des betrieblichen Ausbildungsangebots blieb unbesetzt, und mehr Ausbildungsplatznachfrager blieben bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos. Insgesamt verschlechterte sich die Marktlage zu Lasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den drei Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen. ...

2013 wurden bundesweit 564.200 Ausbildungsplatzangebote registriert (-20.300 bzw. -3,5% gegenüber dem Vorjahr), darunter 542.600 betriebliche Angebote (-16.100 bzw. -2,9%) und 21.700 "außerbetriebliche", d.h. überwiegend öffentlich finanzierte und zusätzlich bereitgestellte Plätze (-4.200 bzw. -16,3%). Insbesondere im Zuständigkeitsbereich von Industrie- und Handel kam es zu einem größeren Rückgang des Ausbildungsangebots (-14.200 bzw. -4,0%). Im Handwerk sank das Angebot bundesweit um 4.700 bzw. -3,0%.

Die Ausbildungsplatznachfrage - zugrunde gelegt wird hier die Nachfrage in ihrer erweiterten Berechnungsform, bei der neben den erfolgreichen Nachfragern als erfolglose Nachfrager alle zum Bilanzierungsstichtag noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber berücksichtigt werden - verringerte sich bundesweit um 13.000 bzw. -2,1% auf 614.300. Dies ist die niedrigste Zahl seit 2007, als die Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage in dieser Form erstmals möglich war. Gegenüber 2007 nahm die Ausbildungsnachfrage bereits um 142.600 bzw. -18,8% ab. Ursache ist vor allem die negative demografische Entwicklung in Deutschland und die damit verbundene chronisch sinkende Zahl junger Menschen.

Die Angebots-Nachfrage-Relation - wiederum berechnet in der erweiterten Form - verringerte sich 2013 auf 91,9 Ausbildungsangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager (-1,3 Prozentpunkte gegenüber 2012). Dabei sank die Angebots-Nachfrage-Relation, gemessen am betrieblichen Angebot, nicht ganz so stark (-0,7 Prozentpunkte), wie dies für das gesamte Angebot unter Einschluss außerbetrieblicher Plätze der Fall war. In Ostdeutschland kam es sogar zu einer weiteren Verbesserung (+1,9 Prozentpunkte), weil hier der Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage noch deutlich stärker als der Rückgang des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots ausfiel. ...

Beteiligung ausbildungsinteressierter Jugendlicher an dualer Berufsausbildung
Nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als "ausbildungsreif" gelten, werden als Ausbildungsplatznachfrager erfasst. Dies ist dann nicht der Fall, wenn sie ihren Vermittlungswunsch vor dem Stichtag der Ausbildungsmarktbilanzierung aufgeben. Die Gründe hierfür sind vielfältig. ...

Deshalb fällt die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert gezeigt haben, höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage. 2013 lag die rechnerische Zahl der ausbildungsinteressierten Personen bei 816.500, 9.500 bzw. 1,2% weniger als im Vorjahr. Von diesen konnten 65,0% an einer dualen Berufsausbildung beteiligt werden; 2012 hatte die Quote noch bei 66,7% und 2011 bei 68,2% gelegen. Dabei gelingt die Beteiligung von weiblichen Ausbildungsinteressierten deutlich seltener (2013: 62,7%) als von männlichen (2013: 66,6%), von ostdeutschen seltener (2013: 63,3%) als von westdeutschen Ausbildungsinteressierten (65,3%). ...

Beteiligung ausbildungsinteressierter Jugendlicher an dualer Berufsausbildung
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Die Summe der institutionell erfassbaren, ausbildungsinteressierten Personen kann ermittelt werden, indem zur Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen die bei der Arbeitsverwaltung gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber hinzu addiert werden, die nach der Vermittlungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit nicht in eine duale Berufsausbildung eingemündet waren. 2013 umfasste die Summe bundesweit 816.500 Personen. Indem wiederum der Umfang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in ein rechnerisches Verhältnis zu dieser Größe gesetzt wird, ist die faktische Einmündungs- und Beteiligungsquote ausbildungsinteressierter Jugendlicher in duale Berufsausbildung (EQI) bestimmbar. Die Einmündungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozentpunkte gesunken und lag 2013 bundesweit bei 65,0%. ...

Ausbildungsbeteiligung nach Geschlecht
Für den Zeitraum ab 2002 lässt sich die Einmündungsquote der ausbildungsinteressierten Personen auch geschlechtsspezifisch berechnen. ... Auch wenn die Einmündungsquote der Männer im Vergleich zu den Frauen seit dem letzten Jahr stärker abgenommen hat, fällt die Einmündungsquote der männlichen Ausbildungsinteressierten nach wie vor um mehrere Prozentpunkte höher aus als die der weiblichen Ausbildungsinteressierten.

Bei der Interpretation des geschlechtsspezifischen Unterschiedes ist zunächst zu berücksichtigen, dass sich die Eingrenzung des Kreises ausbildungsinteressierter Personen bei beiden Geschlechtern auf die Interessenten an einer dualen Berufsausbildung bezieht. Allerdings ziehen junge Frauen, die eine Ausbildung im dualen System anstreben, häufiger als junge Männer zugleich auch eine schulische Berufsausbildung in Erwägung. ...

Es steht zu vermuten, dass die niedrigeren Einmündungsquoten der weiblichen Ausbildungsinteressierten mit der relativ großen Bedeutung gewerblicher Berufe innerhalb des dualen Berufsausbildungssystems in Verbindung steht. Das Interesse der Frauen an diesen Berufen ist weiterhin begrenzt; ihre dualen Berufsausbildungswünsche richten sich eher auf Dienstleistungsberufe. Tatsächlich lässt sich im Rahmen von Regionalanalysen zeigen, dass die Differenz zwischen der Einmündungsquote der Männer und der Frauen schwindet, je stärker die duale Berufsausbildung vor Ort von den Dienstleistungsberufen geprägt wird. "

Die Publikation ist eine vorläufige Fassung und wird bis zum 20.01.2014 durch eine abschließende Fassung ersetzt. Die Erhebung in vollem Textumfang entnehmen Sie aufgeführtem Link.

Quelle:
BIBB