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11.12. 2017

Ausbildung

Assistierte Ausbildung bedarfsgerecht weiterentwickeln

Drei Jahre nutzte die ejsa Bayern mit dem Modellprojekt „Kompetenzzentrum Assistierte Ausbildung“ die Chance, die bundesweite Einführung der Assistierten Ausbildung als neuen Ansatz zur Ausbildungsbegleitung für und mit den Einrichtungen der berufsbezogenen Jugendhilfe (BBJH) zu begleiten. Am Ende dieses Jahres findet das Projekt nun seinen Abschluss. Zahlreiche, gute und wichtige Erfahrungen konnten gesammelt werden. Die Idee der Assistierten Ausbildung bietet sehr gute Chancen zur beruflichen und sozialen Integration für einen Teil der Zielgruppe sozial benachteiligter junger Menschen. Sie kann Angebote in den Jugendwerkstätten sinnvoll ergänzen. Ersetzen kann sie diese aber nicht. Zum Ende des Modellprojektes bezieht die ejsa Bayern noch einmal fachlich Stellung und klinkt sich damit in den beginnenden Diskussionsprozess auf Bundesebene zur Perspektive der Assistierten Ausbildung ein. In einem Positionspapier wird skizziert, wohin sich die Assistierte Ausbildung in Zukunft weiterentwickeln sollte, um ihrem Anspruch eines flexiblen und individuellen Unterstützungsansatzes wirklich gerecht werden zu können.
Die derzeitige Umsetzung der Assistierten Ausbildung als Instrument im SGB III ist aus Sicht der ejsa Bayern nicht ausreichend gelungen und bedarf dringend der Weiterentwicklung. Für eine erfolgreichere Umsetzung der Assistierten Ausbildung fordert die ejsa Bayern bei einer Überarbeitung des §130 SGB III folgende Faktoren zu berücksichtigen und einzuarbeiten:
  • Die Weiterentwicklung der Assistierten Ausbildung zu einem individuellen, sozialpädagogischen Unterstützungsinstrument, das für den jungen Menschen und den Betrieb flexibler und bedarfsgerechter umgesetzt werden kann.
  • Einen transparenten Zuweisungsprozess, in denen Vertreter der Arbeitsagentur sich mit Trägervertretern im Rahmen des Fallmanagements über die Eignung der Assistierten Ausbildung für den jungen Menschen und den Ausbildungsbetrieb austauschen und falls nötig gemeinsam alternative Unterstützungsangebote entwickeln.
  • Hilfen aus einer Hand, d.h. eine Reduzierung auf zwei Rollen: Ausbildungsbegleitung mit sozialpädagogischem Auftrag und Lehrkraft.
  • Assistierte Ausbildung soll stärker auf die speziellen Bedarfe der Betriebe und einzelner Branchen abgestimmt werden, um die Akzeptanz in der Wirtschaft zu fördern.
  • Die Ausweitung der Assistierten Ausbildung auch auf vollzeitschulische Ausbildungsgänge.
  • Kontinuität und Zeit für Beziehungsaufbau in der Kooperation mit den Betrieben und der Wirtschaft.
  • Eine Finanzierung der Assistierten Ausbildung aus Mitteln des SGB III, SGB VIII und durch die Wirtschaft. Denn: Assistierte Ausbildung in gemeinsamer Verantwortung der Rechtskreise ist Ausbildungsförderung, Jugendhilfe und Fachkräftesicherung in einem.

Auszüge aus dem Positionspapier Assistierte Ausbildung als individuelle sozialpädagogische Unterstützung der Ausbildung junger Menschen mit besonderem Förderbedarf konzipieren – nicht als Maßnahme!
"Assistierte Ausbildung als individuelle sozialpädagogische Unterstützung der Ausbildung junger Menschen mit besonderem Förderbedarf konzipieren – nicht als Maßnahme!
Junge Menschen mit besonderem Förderbedarf machen eine Ausbildung in einem Betrieb der freien Wirtschaft und werden dabei bedarfsgerecht unterstützt – das ist die Idee der Assistierten Ausbildung.

Die Erfahrungen aus der Umsetzung des §130 SGB III zeigen, dass durch das derzeit starre Maßnahmekonzept eher die Überforderung der jungen Menschen, zum Teil auch Ausbildungsabbrüche befördert werden. Eine ausbildungsvorbereitende Phase I mit 39 Präsenzstunden pro Woche ist zu umfangreich und nicht für alle im gleichen Maße notwendig. Auch die Festlegung auf 4 bis 9 Stunden Stütz- und Förderunterricht pro Woche, der meist zusätzlich zur Ausbildungszeit stattfindet, wird den individuellen Bedarfen nicht gerecht, provoziert Überforderung und wird somit nicht als Hilfe wahrgenommen. (...)

Assistierte Ausbildung ermöglicht die ganzheitliche Stabilisierung der Lebensbedingungen junger Menschen, um einen guten Rahmen für eine erfolgreiche Ausbildung zu schaffen, wenn die individuellen Bedarfe im Vordergrund stehen. Assistierte Ausbildung entwickelt Persönlichkeiten und macht sie handlungsfähig für alle Lebensbereiche – als Voraussetzung für Ausbildung und Beruf. (...)

Die Idee der Assistierten Ausbildung wird erfolgreich umgesetzt, wenn Zeiträume für Einzelberatung, Austausch im Betrieb, Förder- und Stützunterricht, Vernetzung mit anderen Fachstellen frei gestaltbar sind und der zeitliche Umfang bedarfsgerecht je Teilnehmer individuell angepasst werden kann. Diese Rahmenbedingungen ermöglichen in Verbindung mit einem angemessenen Personalschlüssel Erfolge.

Assistierte Ausbildung ist für viele geeignet - aber nicht für alle!
Junge Menschen mit Problemen im persönlichen und familiären Bereich, mit Sucht- oder Schuldenproblematik, mit Verhaltens- und Lernproblemen oder junge Geflüchtete können im Rahmen der Assistierten Ausbildung erfolgreich durch die Lehrzeit begleitet werden.

Hingegen sind die Unterstützungsleistungen im Rahmen der Assistierten Ausbildung nicht (oder nur eingeschränkt) geeignet für junge Menschen mit schwerwiegenden psychischen Problemen oder für nicht ausbildungsreife oder –willige junge Menschen. Sie brauchen intensivere oder niederschwelligere Unterstützungsangebote.

Die Erfahrung aus verschiedenen Regionen Bayerns zeigt, dass die Zuweisung junger Menschen in die Assistierte Ausbildung häufig intransparent verläuft und nicht dem individuellen Förderbedarf entspricht. Das führt zu Misserfolgen – bei den jungen Menschen und den Betrieben! (...)"

Quelle:
ejsa Bayern

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