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20.11. 2017

Berufliche Bildung

Berufsausbildung - Der Schlüssel zur Integration?

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) legt Analysen zur beruflichen Integration Geflüchteter vor. Um nach Deutschland geflüchtete Menschen künftig noch besser zu integrieren, wird es entscheidend darauf ankommen, individuell passende Angebote der beruflichen Bildung bereitzustellen. Diese müssen der Vielfalt der Bildungsvoraussetzungen, Lebenslagen, Fluchterfahrungen und dem Alter der geflüchteten Menschen gerecht werden. Bestehende Fördermaßnahmen zur Vorbereitung auf eine Ausbildung sollten in Richtung Unterstützung und kontinuierliche Begleitung innerhalb von Regelangeboten weiterentwickelt werden. Zudem ist für die Vermittlung grundlegender Kompetenzen von Beginn an genügend Zeit einzuplanen und die Sprachförderung in bestehende Angebote zu integrieren. Dies sind einige der zentralen Ergebnisse der BIBB Analysen. Das „Wissenschaftliche Diskussionspapier“ mit dem Titel „Geflüchtete und berufliche Bildung“ fasst diese zusammen. Einzelne Beiträge widmen sich speziellen Fragenstellungen.
Auszüge aus den Zentralen Ergebnissen:
  • "Die Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland zugezogen sind, stellen in vielerlei Hinsicht eine sehr heterogene Bevölkerungsgruppe dar. Drei von vier Asylbewerbern und -bewerberinnen 2016 sind jünger als 30 Jahre. Der Anteil der Asylerstanträge von Minderjährigen ist 2016 im Vergleich zu 2015 um rund fünf Prozentpunkte auf rund 36 Prozent gestiegen. (...)
  • Die Bildungsvoraussetzungen und mitgebrachten beruflichen Kompetenzen von Flüchtlingen unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf soziodemografische Aspekte, wie Alter, Schulbildung und Herkunftsland, sondern auch nach Fluchtweg und Fluchtdauer. (...)
  • Geflüchtete haben einen hohen Qualifizierungsbedarf und eine hohe Bildungsorientierung. Rund 80 Prozent der erwachsenen Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland eingereist sind, haben keinen beruflichen Abschluss. Zwei von drei erwachsenen Geflüchteten streben in Deutschland einen Berufsabschluss an, jüngere Erwachsene noch häufiger. Geflüchtete ohne formalen Berufsabschluss besitzen gleichwohl berufliche Erfahrungen, die im Herkunftsland „on the Job“, d.h. im Prozess der Arbeit, erworben wurden. (...)
  • Die Beteiligung von Flüchtlingen an dualer Ausbildung wächst. Von den rund 10.300 Geflüchteten, die im Ausbildungsjahr 2015/2016 bei der Bundesagentur für Arbeit als Bewerber/-innen gemeldet sind, konnten 3.500 einen Ausbildungsvertrag abschließen. Im laufenden Vermittlungsjahr 2016/2017 ist die Zahl der Bewerber/-innen aus einem Fluchtkontext deutlich gestiegen: Bis Ende August 2017 waren bereits 24.990 junge Menschen im Kontext von Fluchtmigration bei Arbeitsagenturen oder Jobcentern als Bewerber/-innen um Ausbildungsstellen gemeldet.
  • Nach der BA/BIBB-Migrationsstudie 2016 sind rund 26 Prozent der Bewerber/-innen aus nicht europäischen Asylzugangsländern in einer betrieblichen Ausbildung. Insbesondere Bewerber/-innen aus nicht europäischen Asylzugangsländern, die jünger als 25 Jahre sind, konnten eine betriebliche Ausbildung beginnen. Beim Einmündungserfolg ist neben dem Schulabschluss auch die Aufenthaltsdauer in Deutschland von Bedeutung. Rund 8 Prozent der Bewerber/-innen aus nicht europäischen Asylzugangsländern, die sich nicht in einer betrieblichen Ausbildung befinden, nehmen an einer Einstiegsqualifizierung.
  • Deutlich gestiegen ist bisher die Beteiligung von Flüchtlingen an Angeboten der vorberuflichen Ausbildung. An Maßnahmen des SGB III zur Ausbildungsvorbereitung bzw. Arbeitsförderung nahmen 2016 rund 30.000 Personen aus einem Fluchtkontext teil (Bestand Dezember 2016), davon knapp 9.000 an Regelinstrumenten (wie z.B. BerEb, EQ oder abH) und über 21.000 an den bundesweit initiierten Sondermaßnahmen des §45 SGBIII für Geflüchtete (z.B. PERF, PERJUF, KOMPAS) (...)
  • Das Ausbildungsangebot wird in den nächsten Jahren nicht ausreichen, um die Nachfrage ausbildungsinteressierter junger Menschen nach beruflicher Ausbildung, darunter die deutlich steigende Nachfrage junger Geflüchteter, zu decken. Zwar ist die Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze in den letzten Jahren gestiegen. Allerdings liegt auch 2016 die Zahl erfolgloser Ausbildungsstellenbewerber/-innen (80.600) fast doppelt so hoch wie die Zahl unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplätze (43.500).

Schlussfolgerungen: Geflüchtete in berufliche Bildung integrieren
In Politik und Wirtschaft besteht ein breiter Konsens darüber, dass die Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft und insbesondere in den Arbeitsmarkt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe ist, (...). Der beruflichen Ausbildung kommt dabei mit ihrem Potenzial an arbeitsmarktnaher Qualifizierung eine Schlüsselrolle zu. (...) Ausgehend von der betrieblichen Ausbildung lassen sich hierzu folgende Schlussfolgerungen formulieren.
  • Betriebliche Ausbildung stärken (...)
  • Bildungsangebote im Vorfeld und Verlauf beruflicher Ausbildung gestalten. (...)
  • Bildungsorientierung und Berufsfelderkundung nutzen. (...)
  • Ausbildungsangebot und berufliche Nachqualifizierung erweitern. (...)
  • An berufliche Grundbildung ansetzen. (...)

Wie groß auch immer die Herausforderungen sein mögen, Geflüchtete in berufliche Bildung zu integrieren, so geht es dabei auch immer um die Integrationsfähigkeit des beruflichen Bildungssystems insgesamt. Die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der beruflichen Bildung bedeutet, alle anstehenden Herausforderungen zu meistern. Dabei wird es entscheidend darauf ankommen, Bildungsangebote so weiterzuentwickeln, dass sie für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Gewinn darstellen. Modernisierungsprozesse der Berufsbildung und Reformen zur institutionellen Gestaltung, die aktuell für Geflüchtete vorgenommen werden, sollten so ausgerichtet sein, dass sie strukturell wirken und allen zugänglich sind."

Das „Wissenschaftliche Diskussionspapier“ des BIBB (Heft Nr. 187) ist unter aufgeführtem Link kostenfrei runterzuladen.

Quelle:
BIBB

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