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19.12. 2016

Ausbildung

Bilanz des Ausbildungsmarktes im Jahr 2016

80.600 Suchende, 43.500 unbesetzte Ausbildungsstellen und 93.400 unbekannt Verbliebene. Das sind die unschönen Erkenntnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Ausbildungsmarkt 2016. Insgesamt wurden zum Stichtag 563.800 Ausbildungsstellen angeboten. Das Ausbildungsplatzangebot blieb damit im Vergleich zum Vorjahr stabil. Die Betriebe in Deutschland stellten mit 546.300 etwas mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als im Vorjahr, das außerbetriebliche Angebot wurde nochmals zurückgefahren. Die Nachfrage nach Ausbildungsstellen verringerte sich im Vorjahresvergleich leicht um 2.300. Da das Ausbildungsangebot bundesweit stabil blieb, die Nachfrage aber leicht zurückging, könnte man von einer verbesserten Lage für die Jugendlichen sprechen. Doch das gelte nicht für alle. Die Schwierigkeiten, die Ausbildungsangebote und die Nachfragen der Jugendlichen zusammenzuführen, bestehen nach wie vor. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit jungen Frauen sank weiter; diesmal um 3.500. Mehr Studienberechtigte nehmen eine duale Ausbildung auf, der Anteil von Hauptschülern dagegen sinkt.
"Auszüge aus der BIBB-Analyse Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2016 von Stephanie Matthes, Joachim Gerd Ulrich, Simone Flemming und Ralf-Olaf Granath:
"(...) Wie bereits in den Vorjahren, erhöhte sich 2016 erneut die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote, die bis zum Bilanzierungsstichtag 30. September nicht besetzt werden konnten. Insgesamt blieben bundesweit 43.500 Ausbildungsstellen offen, (...). Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihre Zahl um +1.900 bzw. +4,5%. Bundesweit waren zum Stichtag 30. September noch 8,0% des offiziell errechneten betrieblichen Ausbildungsangebots vakant. In Ostdeutschland lag der Anteil sogar bei 10,3%. Besonders starke Besetzungsprobleme waren erneut im Handwerk zu verzeichnen.

Differenziert nach Regionen zeigt sich, dass erneut besonders in ost- und süddeutschen Arbeitsagenturbezirken ein hoher Anteil der angebotenen Ausbildungsplätze vakant blieb. Die höchsten Anteile unbesetzter betrieblicher Ausbildungsangebote wurden 2016 in Greifswald (26,2%) und Potsdam (20,7%) gemeldet. Insgesamt blieben in Ostdeutschland 10,3% aller betrieblichen Ausbildungsplatzangebote unbesetzt (+0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Kaum betroffen von Besetzungsproblemen waren hingegen z. B. Kassel (1,1%), Dortmund (1,1%), Stendal (1,4%) und Hannover (1,6%). (...)

Erneut war das Handwerk am stärksten von Besetzungsproblemen betroffen. Bundesweit blieben hier 14.000 Stellen bzw. 9,4% des betrieblichen Ausbildungsangebots bis zum 30. September ungenutzt. Allerdings konnte 2016 der Negativtrend bei den unbesetzten Plätzen im Handwerk gestoppt werden. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl um 400. Der bundesweit zweitgrößte Anteil unbesetzter Ausbildungsplatzangebote war 2016 im Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel zu verzeichnen; zum Ende des Berichtsjahres waren noch 7,7% des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots vakant. Ähnlich hohe Anteile unbesetzter Ausbildungsplatzangebote meldeten im Bereich der Freien Berufe die Zahnärzte- und Anwaltskammern (7,6% und 6,7%). (...)

Auf Seiten der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager gab es 2016 im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen. Bis zum Stichtag 30. September waren bundesweit 80.600 Bewerber bei der Bunde-sagentur für Arbeit als „noch suchend“ gemeldet, -400 bzw. -0,5% im Vergleich zu 2015. Der Anteil der erfolglosen Bewerber an der offiziell ermittelten Nachfrage lag 2016 mit 13,4% weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Wenn von „Marktteilnehmern“, „Ausbildungsstellenbewerbern“ oder „Ausbildungsplatznachfragern“ die Rede ist, sind in der BIBB-Analyse grundsätzlich alle Menschen gemeint, die sich im Laufe des Berichtsjahres für eine Berufsausbildungsstelle beworben hatten bzw. zum Stichtag 30. September immer noch bewarben. (...)

Die erneute Zunahme der Besetzungsprobleme von Ausbildungsplätzen und das nahezu unveränderte Ausmaß der Versorgungsprobleme von Ausbildungsstellenbewerbern führten dazu, dass sich die Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt weiter verschärften. (...)

Ein zentraler Grund für die zunehmenden Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt liegt in regionalen Marktungleichgewichten. So verdeutlicht eine Gegenüberstellung der regionalen Anteile unbesetzter Ausbildungsplatzangebote und erfolgloser Ausbildungsplatznachfrager, dass es oftmals in Regionen mit besonders starken Besetzungsproblemen eher wenig erfolglose Nachfrager gibt und in Regionen mit besonders starken Versorgungsproblemen weniger Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Bundesweit summieren sich beide Phänomene zu relativ hohen Zahlen von unbesetzten Plätzen und noch suchenden Ausbildungsplatznachfragern.

Ein weiterer zentraler Grund für die zunehmenden Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt ist, dass Angebot und Nachfrage auf beruflicher Ebene nicht ausreichend zueinander finden. Es gibt auf der einen Seite Berufe, die unter starken Besetzungsproblemen leiden (vor allem in der Gastronomie, dem Lebensmittelhandwerk und im Reinigungsgewerbe), während sich auf der anderen Seite zahlreiche Berufe finden, in denen viele Ausbildungsplatznachfrager keinen Ausbildungsplatz finden (z.B. im Mediensektor und im kaufmännischen Bereich). Auch hier summieren sich bundesweit beide Phänomene (hier Berufe mit Besetzungsproblemen, aber keine größeren Versorgungsprobleme, dort: Berufe mit Versorgungsproblemen, aber keinen größeren Besetzungsproblemen) zu relativ hohen Zahlen von unbesetzten Plätzen und noch suchenden Ausbildungsplatznachfragern.

Reduzieren ließen sich die Passungsprobleme bei gegebenem Angebot nur, wenn die berufliche Flexibilität der Jugendlichen deutlich gestärkt werden würde. Hierfür ist zum einen eine stärkere Berufsorientierung erforderlich. Zum anderen sollte bei der Gestaltung der Ausbildung aber auch darauf geachtet werden, dass die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in den Berufen nicht so stark variieren, dass aus Sicht der Jugendlichen ein Teil der Berufe kaum attraktiv ist. (...) Bei den Berufen mit Besetzungsproblemen handelt es sich oft um typische Hauptschülerberufe. Die Zahl der Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss ist in den letzten Jahren jedoch stark gesunken, und diese Entwicklung hat auch die Nachfrage nach den bislang typischen Hauptschülerberufen stark geschmälert. (...)

Die Zahl der institutionell erfassbaren ausbildungsinteressierten Personen umfasst neben der offiziell ausgewiesenen Ausbildungsplatznachfrage auch jene Ausbildungsstellenbewerber, die ihren Vermittlungswunsch bereits vor dem Bilanzierungsstichtag 30. September aufgaben und die somit in der offiziellen Nachfrage nicht berücksichtigt werden. Sie gibt somit Auskunft über den Umfang des Personenkreises, der sich im Laufe des Berichtsjahres zumindest zeitweise für eine duale Berufsausbildung interessierte.

Im Jahr 2016 konnten insgesamt 803.600 ausbildungsinteressierte Personen institutionell erfasst werden. Dies waren -1.800 bzw. -0,2% weniger als im Vorjahr, wobei der Rückgang der ausbildungsinteressierten Personen allein auf die Entwicklung in Westdeutschland zurückzuführen ist (-1.800 bzw. -0,3%). In Ostdeutschland stieg die Zahl der institutionell erfassbaren ausbildungsinteressierten Personen im Vergleich zum Vorjahr um 0,9% auf 117.500.

Bundesweit mündeten 64,7% aller institutionell erfassbaren Ausbildungsinteressierten in eine duale Berufsausbildung ein. Im Vergleich zu 2015 sank die Beteiligungsquote ausbildungsinteressierter Jugendlicher an dualer Berufsausbildung damit leicht. In Ostdeutschland ging die Einmündungsquote noch etwas stärker zurück und lag 2016 bei nur 63,0%. (...)

Dass sich die Quote erfolgloser Nachfrage ungeachtet einer stetig steigenden Zahl von unbesetzten Plätzen nicht verringert, wirft die Frage nach den Ursachen auf. Die Quote erfolgloser Nachfrage wird nicht nur von der Höhe des betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots beeinflusst. Vielmehr ist sie statistisch auch von den Anteilen der registrierten Ausbildungsstellenbewerber abhängig, die ihren Vermittlungsauftrag noch vor dem Stichtag 30. September stornieren, ohne dass sie nach Kenntnis der Beratungs- und Vermittlungsdienste in eine Berufsausbildungsstelle eingemündet sind.

Diese sogenannten „anderen ehemaligen Bewerber“ werden im Rahmen der offiziellen Ausbildungsmarktbilanz auf Basis des Berufsbildungsgesetztes (BBiG) nicht zur Ausbildungsplatznachfrage eines Jahres gezählt. Die Motivlage der anderen ehemaligen Bewerber, ihren Vermittlungsauftrag zu stornieren oder – was zur selben Konsequenz führt – den Kontakt zu den Beratungs- und Vermittlungsdiensten abzubrechen, ist sehr heterogen. Aus Untersuchungen ist zudem bekannt, dass unterschiedliche Bewerbergruppen in unterschiedlichem Maße zu einer vorzeitigen Stornierung neigen und sich die meisten in einer eher ungünstigen Lage befinden. So verbleiben z.B. häufiger Bewerber mit niedrigen Schulabschlüssen und Altbewerber unbekannt.

Bei 114.000 bzw. 14,2% war der Verbleib noch offen oder unklar. Darunter befanden sich 20.600 unversorgte Bewerber, die ohne alternative Verbleibsmöglichkeit ihre Ausbildungsplatzsuche auch am 30. September noch fortsetzten, sowie 93.400 Personen, die unbekannt verblieben, die Beratungs- und Vermittlungsdienste also über ihre momentane Situation nicht mehr unterrichteten.

Wie bereits im Vorjahr sank 2016 die Zahl der Ausbildungsverträge, die mit jungen Frauen abgeschlossen wurden (-3.500 bzw. -1,7%). Die Zahl der Ausbildungsverträge mit jungen Männern stieg dagegen leicht an (+1.700 bzw. +0,5%).

Hinsichtlich des Verbleibs von Bewerbern mit Fluchtkontext weist die Statistik der Bundesagentur für Arbeit aus, dass gut jeder dritte gemeldete Bewerber (35%) zum Stichtag 30.9. in eine Berufsausbildung eingemündet ist. Weitere 20% sind in Schule, Fördermaßnahmen oder Praktika eingemündet, 7% haben eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Offiziell unversorgt sind nur 9% der gemeldeten Bewerber mit Fluchthintergrund. Der Anteil der unbekannt verbliebenen Bewerber liegt mit 28% jedoch deutlich höher als bei den deutschen Bewerbern (16%). (...)"

Quelle:
BIBB

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