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10.07. 2017

Arbeitsmarkt

Entwicklung von Arbeitsverhältnissen und Einkommen

Nicht alle in Deutschland haben vom Beschäftigungsboom der letzten Jahre gleich profitiert. Trotz deutlichem Rückgang der Arbeitslosigkeit sind die Einkommen heute ungleicher verteilt als noch vor 20 Jahren. Die Ungleichheit hat zugenommen. In unteren Einkommensschichten sind Niedriglöhne und atypische Beschäftigung weiter verbreitet als früher, während reguläre Arbeitsverhältnisse in den oberen Einkommensschichten häufiger sind als vor 20 Jahren. Die Erwerbstätigkeit insgesamt stieg an, während sich Arbeitszeiten zunehmend ausdifferenzierten.
Auszüge aus der DIW-Studie Einkommensschichten und Erwerbsformen seit 1995:
" (...) Veränderungen am Arbeitsmarkt: Höhere Erwerbsbeteiligung, Verschiebung der Erwerbseinkommen und Ausdifferenzierung der Arbeitszeiten
Der Arbeitsmarkt unterlag in den vergangenen 20 Jahren großen Veränderungen in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung, die Arbeitszeiten und das Lohngefüge.

Erwerbsbeteiligung ist gestiegen
Die Erwerbsbeteiligung, gemessen an der Erwerbstätigenquote, ist bei der Erwerbsbevölkerung (...) zwischen den Perioden 1995–99 und 2014–15 kontinuierlich von knapp 70 Prozent auf rund 80 Prozent gestiegen. Bei den Männern nahm die Quote von 79 Prozent auf 84 Prozent zu, bei den Frauen überproportional von 57 Prozent auf 73 Prozent. (...)

Erwerbseinkommen haben sich bis 2005 zunehmend ungleich entwickelt
Die individuellen Erwerbseinkommen und Löhne (...) weisen nach 2005 einen Rückgang auf und haben sich nach 2010 wieder erhöht. So sind die monatlichen Erwerbseinkommen zwischen 1995 und 2015 im Durchschnitt von 2.810 Euro nach einem Rückgang wieder auf 2.815 Euro gestiegen, die mittleren Einkommen (Median) sanken mit zwischenzeitlichen Schwankungen von 2.566 Euro auf 2.500 Euro. Die Löhne sind im selben Zeitraum im Durchschnitt von 17,84 Euro pro Stunde zwischenzeitlich auf 17,32 Euro pro Stunde gesunken und haben sich bis 2015 wieder auf 17,78 Euro pro Stunde erhöht. Dabei hat sich auch die Ungleichheit der Erwerbseinkommen (und Löhne), gemessen am Gini-Koeffizienten, von 0,31 (0,29) auf 0,37 (0,31) erhöht. Der Anteil an Beziehern niedriger Erwerbseinkommen stieg dabei kontinuierlich von 24,4 Prozent auf 33,7 Prozent und der Anteil an Beschäftigten mit geringen Löhnen erhöhte sich von 16,7 Prozent auf 24,5 Prozent. Die Zunahme der Ungleichheit bei den Bruttostundenlöhnen hat sich allerdings in den vergangenen Jahren etwas abgeschwächt, (...).

Stärker ausdifferenzierte Arbeitszeiten
Während der Anteil an Vollzeitbeschäftigten (hier: mehr als 30 Wochenstunden) hoch blieb, haben sich die Arbeitszeitarrangements in den Beschäftigungsverhältnissen ausdifferenziert. So hat sich zwischen 1995 und 2015 der Anteil der (...) Beschäftigten, die bis zu 30 Wochenstunden arbeiten, von 17,2 Prozent auf 33,5 Prozent aller Beschäftigten (...) erhöht; der Anteil an geringfügig Beschäftigten mit weniger als 15 Wochenstunden stieg von 4,4 Prozent auf 8,6 Prozent. (...)

Mobilität zwischen Erwerbsformen zuletzt geringer als vor 20 Jahren
Wenn die Erwerbsbeteiligung steigt, gleichzeitig aber die Normalarbeitsverhältnisse stagnieren und die Beschäftigungsverhältnisse mit Niedriglöhnen zunehmen, deutet das auf Verschiebungen bei den Übergängen zwischen den Erwerbsformen hin. Ausgehend von den fünf Grundformen der Erwerbsformen zeigen sich einerseits Verstetigungen sowohl bei den regulär Erwerbstätigen wie auch bei den atypisch Beschäftigten: In beiden Gruppen stiegen die Stabilitätsquoten gegenüber der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Unter den regulär Erwerbstätigen verblieben innerhalb von drei Jahren etwa 84 Prozent in dieser Gruppe. Bei den atypischen Erwerbsformen ist die Stabilitätsquote erwartungsgemäß deutlich geringer als bei den regulären Erwerbsverhältnissen. Sie nahm jedoch im untersuchten Zeitraum von 50 Prozent auf 56 Prozent zu. Gut ein Viertel der Menschen mit atypischen Erwerbsformen ging nach drei Jahren in reguläre Arbeitsverhältnisse über. Atypische Beschäftigungsverhältnisse sind somit eine wichtige Zwischenstation zur regulären Erwerbstätigkeit geworden. Infolge der gestiegenen Erwerbsbeteiligung ist es für atypisch Beschäftigte unwahrscheinlicher als früher geworden, in die Nicht-Erwerbstätigkeit abzurutschen. Sie sind aber viel eher betroffen als regulär Beschäftigte. Bei Erwerbslosen überwiegen mittlerweile Übergänge in atypische Erwerbsformen im Vergleich zu den direkten Zugängen zu regulären Beschäftigungen. Ein Großteil der Menschen, die im Alter von 25 Jahren in Ausbildung waren, fand nach drei Jahren den Weg in reguläre Beschäftigungen. (...)"

Die Studienergebnisse in vollem Textumfang lesen Sie über aufgeführtem Link.

Quelle:
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin

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