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02.12. 2013

Inklusion

Kann Inklusion im dualen System gelingen?

Friedrich Ebert Stiftung analysiert die Chancen der Inklusion gering qualifizierter Jugendlicher in die duale Ausbildung: Die duale Berufsausbildung ist ein herausragendes Basisqualifikationssystem. Ihre Leistungsfähigkeit gilt es deshalb weiter zu steigern. Ohne zusätzliche Anstrengungen und Maßnahmen werden am Ende des Jahrzehnts Fachkräfte fehlen. Damit das nicht passiert, muss sich Wirtschaft noch stärker als bisher geringqualifizierten Jugendlichen zuwenden und ihnen eine Ausbildungschance geben.
Auszüge aus WISO direkt "Inklusion: In der dualen Berufsausbildung kann sie gelingen" von Klaus Heimann:
" ... Das traditionelle, inzwischen abgelöste Modell der Arbeit in Deutschland beruhte auf Anlernung. Inzwischen mutierten die alten Arbeitskonzepte und es gab eine Welle der Verberuflichung vieler Tätigkeiten. Arbeitsplätze für un- und angelernte Kräfte gibt es in Deutschland immer weniger. ...

In den letzten Jahrzehnten gelang es dem dualen ... System nicht, alle Jugendliche mit einer Berufsausbildung auszustatten. Soziale Inklusion von bildungsschwächeren Schülerinnen und Schülern gelingt nicht in unserem gegliederten Schulsystem und setzt sich in der Berufsausbildung fort. ...

Das international anerkannte Erfolgsmodell soll es schaffen, auch geringqualifizierte Jugend liche unmittelbar nach der Schule in eine Aus bildung zu integrieren. Dieses Ziel wurde bislang nicht erreicht. Ist dies die Achillesferse der deutschen Berufsausbildung? ...

Es besteht wenig Hoffnung, dass der demografische Wandel, der eine geringere Nachfrage nach Ausbildungsplätzen mit sich bringt, die Chancen für schwächere Jugendliche quasi automatisch verbessert. ... Es passt vielfach nicht zusammen, was Jugendliche mitbringen und was Arbeitgeber zum Start in die betriebliche Ausbildung verlangen. Das Strukturproblem bleibt, auch wenn der Übergangsbereich sich halbiert. Integriert werden vor allem die sogenannten marktbenachteiligten Jugendlichen. Also diejenigen, die über viele Jahre vom Mangel an Ausbildungsplätzen massiv betroffen waren, die aber nicht zur Gruppe der Geringqualifizierten gehören. ...

Es gibt betriebliche, schulische und trägerorientierte Ausbildungsprogramme, um die Probleme beim Übergang von Schule in den Beruf zu beheben. Inklusion: In der dualen Berufsausbildung kann sie durchaus gelingen, wenn die eingeleiteten Maßnahmen konsequent verfolgt werden. Es ist ein Bündel von Aktivitäten, den einen Königsweg gibt es nicht.

Übergangsbereich neu ausrichten und neue Kombinationsmodelle erproben
Übergangsbereich: Wer nach der Schule keinen Ausbildungsplatz findet, wird mehrheitlich in den sogenannten Übergangsbereich vermittelt. ...

Der Übergangsbereich ist ausgesprochen heterogen. Vielleicht aber auch gerade deshalb relativ erfolgreich. Die Übergangsquoten in eine vollqualifizierende Ausbildung, zentrales Kriterium für Erfolg oder Misserfolg, belegen das: Nach sechs Monaten gehen 42 Prozent der Jugendlichen in Ausbildung, nach 14 Monaten 54 Prozent und nach 36 Monaten sind es 70 Prozent. Anders formuliert: Ein harter Kern bleibt – für ein Drittel der Jugendlichen heißt der Übergang – ungelernte Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit und Hartz IV.

Gerade jetzt, in einer Phase der Stärke des Systems der Berufsausbildung und hoher Nachfrage nach Fachkräften, sollte die Schwachstelle, mangelnde Inklusion, angepackt werden. So wird u. a. über neue Kombinationsmodelle zwischen dualer und vollzeitschulischer bzw. außerbetrieblicher Ausbildung, die die soziale Inklusion bildungsbenachteiligter/-schwacher Jugendlicher ermöglichen, nachgedacht. Die Bundesländer NRW und Hamburg marschieren vorneweg. Hier wird der Eintritt in den Übergangsbereich mit einer Bildungsgarantie verknüpft. Gelingt der Sprung in eine betriebliche Ausbildung nicht, wird der Bildungsweg bis zum Ende (Berufsabschlussprüfung bei der Kammer) auf Kosten der Landesregierung fortgesetzt. ...

Öffentlich geförderte betriebliche Einstiegsmodelle haben Erfolg
Einstiegsqualifizierung: Immer mehr Betriebe sind bereit, auch leistungsschwächere Jugendliche als Azubis einzustellen. Systematisch wird dieser Ansatz, Jugendliche mit Defiziten einzustellen, mit dem Konzept der betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) verfolgt. Mit diesem Instrument wurden 2012 knapp 13.000 Jugendliche fit gemacht für eine Berufsausbildung. Vorgelagert vor dem eigentlichen Ausbildungsbeginn, wird das ausgebessert oder nachgeholt, was für eine Ausbildung noch fehlt. ... Rund 70 Prozent schaffen den Start in die Ausbildung. EQ ist ein wirklicher Türöffner in eine betriebliche Ausbildung, wie Beispiele von Audi und Deutsche Bahn zeigen. ...

Ausbildungsbegleitende Hilfen: Auch dieser Förderansatz ist betrieblich orientiert: 42.000 Jugendliche nutzen aktuell die sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen (AbH). Dieses, von den Arbeitsagenturen geschnürte Paket, ist zusätzlich zur Ausbildung und setzt auf Stützunterricht in den Fächern Mathematik und Deutsch. .... Wenn es bei der Fachtheorie oder Fachpraxis hakt, kann ebenfalls nachgeholfen werden. Auch bei den Soft-Skills gibt es Unterstützung: Für diese regelmäßige Nachhilfe übernehmen die Arbeitsagenturen das Honorar für das Lehrpersonal. ...

Die Wirtschaft geht neue Wege
Dass die Betriebe auf schwächere Schülerinnen und Schüler zugehen, bestätigt auch das Bundesinstitut
für Berufsbildung (BIBB). ... Die Unternehmen bauen ihre Förderpalette massiv aus. Sie tun mehr, um die Grundfertigkeiten zu festigen. Sie vermitteln den Azubis, wie es im Team besser geht. Innerbetrieblichen Unterricht gibt es immer öfter und die Förderung deutscher Sprachkenntnisse weist daraufhin, dass auch mehr Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund eingestellt werden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) untermauert die BIBB-Zahlen. Bei seiner jährlichen Fachkräfte befragung hat er herausgefunden, dass bereits rund ein Drittel der Unternehmen bereit ist, Ausbildungsplätze auch an lernschwächere Jugendliche zu vergeben.

Die Mehrheit der Betriebe setzt auf Eigeninitiativen, die sie sich durchaus auch was kosten lassen. ... "

Quelle:
WISO direkt FES
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