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15.12. 2014

Ausbildung

Junge Frauen haben bei der Ausbildungssuche schlechtere Erfolgschancen

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) untersuchte Erfolgschancen junger Frauen und Männer bei der Einmündung in Ausbildung. Nach wie vor sind berufliche Tätigkeiten und der Arbeitsmarkt in Deutschland stark geschlechtsspezifisch geprägt. Denn obwohl junge Frauen in der Schule besser abschneiden und höhere Schulabschlüsse aufweisen, ist die Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz für sie schwieriger als für junge Männer. Junge Frauen konzentrieren sich bei ihrer Berufswahl auf ein sehr enges Spektrum. Sie interessieren sich vorrangig für kaufmännische und Dienstleistungsberufe, gewerblich-technische Berufe kommen für sie kaum in Betracht. Das Berufswahlspektrum junger Männer ist dagegen wesentlich breiter. Die unterschiedlich guten Chancen junger Männer und Frauen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz lassen sich somit auf die Unterschiede in den beruflichen Wünschen zurückführen. Die BIBB-Untersuchung weist nach, dass die Unterschiede in den Erfolgschancen zwischen Frauen und Männern vor allem auf die unterschiedliche Konkurrenzsituation in den von ihnen bevorzugten Berufen zurückzuführen sind. Denn für Frauen besteht das Problem, dass sie in den favorisierten Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen sehr stark untereinander um die betrieblichen Ausbildungsstellen konkurrieren. Teilweise kommt in diesen Berufen auch noch eine größere Nachfrage vonseiten der Männer hinzu. Männer haben dagegen den Vorteil, dass viele gewerblich-technische Berufe generell eher weniger nachgefragt werden und es hier so gut wie keine Konkurrenz durch Frauen gibt.
Auszüge aus dem BIBB-Report "Berufswahl junger Frauen
und Männer"
von Ursula Beicht und Günter Walden:
"(...) Die Unterschiede in den beruflichen Interessen zwischen weiblichen und männlichen Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern lassen sich am Beispiel der 25 Berufe mit den meisten neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2012 veranschaulichen. Fast all diese Berufe werden entweder überwiegend von jungen Frauen oder überwiegend von jungen Männern angestrebt. Ein nahezu ausschließlich weibliches Interesse ist für die Berufe
  • Medizinische/-r Fachangestellte/-r,
  • Zahn-medizinische/-r Fachangestellte/-r,
  • Friseur/-in
  • Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk zu verzeichnen.

Dagegen besteht für die Berufe
  • Kraftfahrzeugmechatroniker/-in,
  • Industriemechaniker/-in,
  • Elektroniker/-in,
  • Fachinformatiker/-in,
  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik, Mechatroniker/-in,
  • Zerspanungsmechaniker/-in
  • Metallbauer/-in fast nur ein männliches Interesse.

Die Berufe
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel,
  • Verkäufer/-in,
  • Bürokaufmann/-frau
  • Industriekaufmann/-frau werden einerseits von sehr vielen Frauen favorisiert, kommen andererseits aber auch relativ oft für Männer in Betracht.

Ein fast ausgewogenes Interesse von Frauen und Männern an einem Beruf gibt es nur selten, und zwar unter den hier betrachteten stark besetzten Berufen lediglich bei den Berufen
  • Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel
  • Bankkaufmann/-frau.

Die Ausbildungsmarktsituation, d. h. das Verhältnis angebotener betrieblicher Ausbildungsstellen zu ausbildungsinteressierten Jugendlichen, stellt sich in den 25 Berufen sehr unterschiedlich dar. (...)

Am schlechtesten ist dagegen die Relation im Beruf Bürokaufmann/-frau, hier steht lediglich für die Hälfte der Interessenten ein betriebliches Ausbildungsplatzangebot zur Verfügung. Vergleichsweise ungünstig ist die Marktlage auch in den Berufen Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Verkäufer/-in, Medizinische/-r, Fachangestellte/-r, Tischler/-in, Maler/-in und Lackierer/-in, in denen nur für weniger als 60 Prozent der hieran interessierten Jugendlichen betriebliche Stellenangebote vorhanden sind. Aufgrund der unterschiedlichen Konkurrenzsituation in den einzelnen Berufen ist zu erwarten, dass die Einmündungschancen der Jugendlichen relativ stark von ihren jeweiligen Berufswahlentscheidungen bei der Ausbildungssuche abhängen. (...)

Einmündung junger Frauen und Männer in betriebliche Ausbildung
(...) Von den jungen Frauen weisen demnach diejenigen die geringste Erfolgsquote auf, die sich hauptsächlich für kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus interessieren. Von ihnen gelingt es lediglich 31 Prozent, tatsächlich eine Ausbildung im favorisierten Bereich aufzunehmen; 4 Prozent münden in einen anderen Berufsbereich ein und die übrigen 65 Prozent erhalten keinen betrieblichen Ausbildungsplatz. Etwas erfolgreicher sind die Bewerberinnen, die überwiegend Berufe in Betracht ziehen, die sich auf Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung oder Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung beziehen: 37 Prozent bzw. 38 Prozent erhalten eine Ausbildungsstelle im gewünschten Bereich.

Die höchste Einmündungsquote erreichen allerdings die wenigen Frauen, die hauptsächlich eine Ausbildung in Berufen der Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung (...) anstreben: 61 Prozent von ihnen können eine entsprechende Ausbildung beginnen. Weit ungünstiger schneiden demgegenüber die – (...) – Frauen ab, die bei ihrer Ausbildungssuche Berufe der Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung (...) bevorzugen: Nur ein Drittel mündet tatsächlich in einen solchen Beruf ein, aber immerhin finden 11 Prozent eine betriebliche Ausbildungsstelle in einem anderen Bereich.

Junge Männer sind am wenigsten erfolgreich – und zwar noch erheblich seltener als junge Frauen – wenn sich ihr Berufsinteresse auf kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus konzentriert, nur 22 Prozent von ihnen erhalten einen entsprechenden Ausbildungsplatz. (...) Ebenfalls eher selten münden junge Männer in den Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung ein, wenn sie diesen präferieren; nur 29 Prozent sind hier erfolgreich, allerdings nehmen 11 Prozent eine betriebliche Berufsausbildung in einem anderen Bereich auf.

Am aussichtsreichsten ist die Ausbildungssuche für die relativ wenigen Bewerber, die sich auf Berufe von Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit konzentrieren, 58 Prozent können eine solche Ausbildung beginnen. Fast ebenso hoch ist mit 57 Prozent die Erfolgsquote der Bewerber, die sich hauptsächlich für Berufe der Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung (...) interessieren, dem am stärksten von jungen Männern favorisierten Bereich.

Somit lässt sich festhalten, dass für junge Frauen und Männer die Einmündungsquoten in betriebliche Ausbildung sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welcher berufliche Schwerpunkt bei der Stellensuche gewählt worden ist. Dabei fallen allerdings für junge Männer die Erfolgsaussichten in den hauptsächlich von ihnen präferierten Berufsbereichen meistens deutlich besser aus als für junge Frauen in den von ihnen favorisierten Bereichen. Dies führt insgesamt dazu, dass weiblichen Bewerberinnen der Übergang in betriebliche Ausbildung mit 40 Prozent deutlich seltener gelingt als männlichen Bewerbern mit 46 Prozent. (...)

Schlechtere Übergangschancen für Frauen, aber besseres Berufsprestige
(...) Nach wie vor beziehen sich die Berufswünsche von Frauen vor allem auf Dienstleistungs- und kaufmännische Berufe, während gewerblich-technische Berufe immer noch eine Domäne der Männer sind. Zwischen den Berufen ist die Konkurrenzsituation bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz allerdings sehr unterschiedlich. So konkurrieren insbesondere in beliebten Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen nicht nur Frauen stark untereinander um die Ausbildungsstellen, sondern es kommt oft noch eine größere Nachfrage vonseiten der Männer hinzu. Dagegen werden viele gewerblich-technische Berufe vergleichsweise wenig nachgefragt und hier besteht für Männer kaum eine Konkurrenz durch Frauen. Diese Sachverhalte führen dazu, dass die Chancen, in eine betriebliche Ausbildung einmünden zu können, zwischen den Berufen beträchtlich voneinander abweichen.

Die durchgeführten Analysen zeigen, dass die schlechteren Einmündungschancen für junge Frauen im Vergleich zu jungen Männern darauf zurückzuführen sind, dass die Konkurrenzsituation in den Berufen, für die sie sich hauptsächlich interessieren, schwieriger ist. Allerdings kann hieraus nicht geschlossen werden, dass Frauen ihre Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz verbessern können, wenn sie sich auf weniger nachgefragte und vor allem von Männern frequentierte Berufe bewerben. So sind die Einmündungschancen von Frauen, die sich bei ihrer Ausbildungssuche auf männerdominierte Berufe konzentrieren, keineswegs besser als die von Frauen, die sich für andere Berufe entscheiden. Haben Frauen dagegen eine Präferenz für frauendominierte Berufe, so erhöhen sich ihre Chancen sogar signifikant. Für junge Frauen ist es also nicht unbedingt eine erfolgversprechende Strategie, sich auf Berufe zu bewerben, in denen weit überwiegend Männer vertreten sind. Umgekehrt haben demgegenüber junge Männer besonders gute Einmündungschancen, wenn sie männerdominierte Berufe favorisieren. (...)

Wird der sozioökonomische Status bzw. das soziale Prestige der Berufe betrachtet, die Jugendliche in ihre Ausbildungssuche einbeziehen, so ist festzustellen, dass Frauen statushöhere Berufe nachfragen als Männer, und zwar insbesondere, wenn sie über einen Hauptschulabschluss oder mittleren Schulabschluss verfügen. Sofern Frauen der Übergang in betriebliche Ausbildung gelingt, können sie das angestrebte Berufsprestige im Durchschnitt auch realisieren, d. h., sie münden trotz ihrer größeren Schwierigkeiten bei der Ausbildungssuche in der Regel nicht in statusniedrigere Berufe ein als ursprünglich geplant. Die Berufe, in denen junge Frauen eine Ausbildung aufnehmen, sind daher im Durchschnitt deutlich prestigeträchtiger als die Berufe, in denen junge Männer ausgebildet werden. (...) Junge Frauen haben somit aufgrund ihrer Berufsinteressen zwar ein höheres Risiko eines schwierigeren und langwierigeren Übergangs in Ausbildung, wenn sie dann aber erfolgreich sind, erreichen sie statushöhere Berufe als junge Männer. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Löhne und Gehälter von Frauen – auch unter sonst gleichen Bedingungen – im Durchschnitt unter denen der Männer liegen. (...)

Frauen können ihre individuellen Chancen allerdings nicht dadurch verbessern, dass sie sich auf männlich dominierte Berufe umorientieren, in denen die Konkurrenzsituation weniger ausgeprägt ist. Vielmehr scheint es von betrieblicher Seite aus immer noch Vorbehalte gegenüber Frauen in „Männerberufen“ zu geben. Die grundsätzlich anzustrebende Erweiterung des engen Berufswahlspektrums von Frauen könnte somit nur dann ihre Einmündungschancen verbessern, wenn sich gleichzeitig auch in Betrieben eine höhere Akzeptanz von Frauen in bislang von Männern dominierten Berufen entwickelt. (...)"

Den BIBB-Report in vollem Texumfang entnehmen Sie über aufgeführten Link.

Quelle:
BIBB Report 4/2014; BIBB Pressemeldung
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