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31.03. 2014

Jugendwohnen

Der Modellversuch "Ausbildung in Vielfalt" oder wie Jugendwohnen die passgenaue Ausbildungsbeteiligung verbessern kann

Verband der Kolpinghäuser beendet Modellversuch "Ausbildung in Vielfalt": Der Modellversuch war eingebettet in den Modellversuchsförderschwerpunkt "Neue Wege in die duale Ausbildung - Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung" des BIBB. Insgesamt beteiligten sich an dem Projekt 18 Verbände, Institute und Bildungszentren als Projektträger. Ziel und Zweck der einzelnen Modellversuche innerhalb des Gesamtprojekts war die Entwicklung von Konzepten zur Fachkräftesicherung bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Mit der Kombination von Unterkunft, Verpflegung und sozialpädagogischer Begleitung während der Ausbildungszeit konnten aus dem Handlungsfeld des Jugendwohnens nicht nur Lösungsmöglichkeiten für KMU aufgezeigt, sondern auch inhaltliche Konzepte des Jugendwohnens weiter entwickelt werden.
" Im Rahmen des Modellversuchs verfolgte der VKH als Modellversuchsträger das Ziel, mitsamt den teilnehmenden Jugendwohnheimen analog zu den Standorten des Modellversuchs, das Angebot Jugendwohnen als Chance für erhöhte Ausbildungsmobilität und zur Unterstützung während der Ausbildung für Jugendliche sowie Betriebe weiterzuentwickeln, zukunftsfähiger sowie bekannter zu machen. Zusammen mit seinen Netzwerkpartnern, u.a. den Kommunen, Agenturen für Arbeit, den Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Schulen und Trägern der Jugend-hilfe, war es von Beginn an das Ziel, innovative Konzepte und Arbeitsweisen des Jugendwohnens zu erproben. Im Laufe der dreijährigen Modellversuchslaufzeit wurden dazu Jugendwohnheime untereinander verknüpft, um Impulse aufzunehmen und somit Jugendwohnen moderner, vielfältiger und attraktiver zu machen. Gleichzeitig wurden mit einer zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit die Kooperationspartner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik sowie insbesondere kleine und mittlere Betriebe (KMU) verstärkt auf die Chancen, welche das Jugendwohnen für die Fachkräftesicherung bietet aufmerksam gemacht.

Dazu wurden im Laufe des Modellversuchs acht Bausteine zur Qualitätsentwicklung im Jugendwohnen erarbeitet und fachliche Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie eine bedarfsgerechte und möglichst wirkungsvolle Förderung junger Menschen mit schlechteren Startchancen im Zuge ihrer beruflichen Bildung in einer systematischen Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieb sowie Jugendwohnheim ablaufen kann und in welcher Form bereits bestehende arbeitspolitische Fördermaßnahmen um das Angebot des Jugendwohnens bereichert werden können. Qulitätsentwicklung im Jugendwohnen_die acht Programmbausteine (911kB)

Infolgedessen wurden inhaltliche Konzepte zum Konfliktmanagement, zur Lernbegleitung, Kulturellen Begleitung, Förderberatung sowie zum Ausbildungsmarketing und zur Ausrichtung von Unternehmerstammtischen im Jugendwohnen analog zu den drei Ebenen Standortmarketing, Ausbildungsbegleitung und Ausbildungsvorbereitung erarbeitet und in einem online Methodenkoffer zur Verfügung gestellt:
  • „Konfliktmanagement im Jugendwohnen“ Konflikte während der Ausbildung sind ein wichtiges Thema, wenn es um erfolgreiche Ausbildungen geht, denn Konflikte und daraus resultierende Ausbildungsabbrüche sind mit hohen Kosten für die Betriebe, die jungen Menschen und letztlich die Gesellschaft als Ganzes verbunden. Einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Ausbildungserfolgs, gerade kleiner und mittlerer Unternehmen, liefert das Konfliktmanagement im Jugendwohnen. Hier werden junge Menschen und Ausbildungsbetriebe auf dem Weg von der Wahrnehmung eines Konflikts bis hin zur Lösung begleitet und darüber hinaus neue Ideen zur Prävention zukünftiger Konflikte erarbeitet.
  • „Lernbegleitung im Jugendwohnen“ Lernen für die Ausbildung effizient und bedarfsgerecht zu gestalten sichert den Ausbildungserfolg der jungen Menschen und der Betriebe und verhindert Ausbildungsabbrüche. Im Jugendwohnen gibt es eine breite Palette an Unterstützungsangeboten, die sich an den jeweiligen Bedürfnissen vor Ort orientieren und sich in der Art ihrer Organisation unterscheiden.
  • „kulturelle Begleitung im Jugendwohnen“, Im Zuge einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt und damit einhergehend fremdsprachlich orientierten Ausbildung werden von Arbeitskräften vermehrt Fremdsprachenkenntnisse gefordert, die über den allgemeinsprachlichen Bereich hinausgehen. Junge Europäer/innen, die aus einem anderen kulturellen Umfeld zwecks ihrer Ausbildung nach Deutschland immigrieren, stehen sprachlich und kulturell völlig neuen Anforderungen sowie Herausforderungen gegenüber. Infolgedessen kommt nicht nur sprachlichen sowie fachlichen, sondern auch sozialen Kompetenzen in diesem Kontext eine gesonderte Bedeutung zu. Ebenso ist das Personal in den Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen und Jugendwohnheimen gefordert, sich auf ein zunehmend heterogenes soziales Umfeld einzustellen und die eigenen Kompetenzen zu erweitern.
  • „Berufsorientierung im Jugendwohnen“ Infolge der enormen Anzahl verschiedenster Berufsausbildungen sowie der damit einhergehenden Dynamik von Berufsperspektiven, wird die Berufswahl für Jugendliche immer komplizierter. Wenn der Prozess des Übergangs von einer allgemein bildenden Schule in einen Beruf gelingen soll, dann bedarf es dazu einer umfangreichen Analyse sämtlicher biografischer Daten der Schul-, Bildungs- und Familienbiografie. Der Prozess der Berufsorientierung ist eine Aufgabe, an der vor allem Jugendwohnheime mitwirken, in denen Bewohner/innen untergebracht sind, die noch keinen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben oder ihre Ausbildung wechseln wollen.
  • "Ausbildungsmarketing im Jugendwohnen“ Trotz seiner Historie und der Vielzahl an Einrichtungen, ist Jugendwohnen vielen Jugendlichen und Unternehmen bisher noch unbekannt. Gleichwohl sind mittlerweile viele Berufe vor dem Hintergrund des demografischen Wandels von einem Rückgang an Auszubildenden betroffen, der zweifellos auch Auswirkungen auf das Jugendwohnen haben wird. Infolgedessen müssen innovative Wege bei der Akquise von neuen Auszubildenden sowohl bei Unternehmen als auch Jugendwohnheimen eingeschlagen werden.
  • „Netzwerkarbeit im Jugendwohnen“ Jede Einrichtung des Jugendwohnens benötigt Partner, um erfolgreich dauerhaft zu bestehen. Daher ist die Netzwerkarbeit ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Qualität im Jugendwohnen zu entwickeln und nach außen darzustellen. Gleichzeitig sind andere Träger, Einrichtungen und Bildungsunternehmen immer wieder auch Konkurrenten, so dass eine Zusammenarbeit zwar notwendig, aber nicht immer einfach ist. Eine einheitliche oder standardisierte Netzwerkarbeit ist aufgrund der Spezifika des Jugendwohnens kaum möglich.
  • „Unternehmerstammtische im Jugendwohnen“ Einbeziehung von Unternehmen, zur Netzwerkarbeit und zum Standortmarketing. Viele Betriebe verzeichnen bereits jetzt einen dramatischen Rückgang von Auszubildenden -und zwar branchenübergreifend. Ein strategisches Ausbildungsmarketing aber, ist schon aus zeitlichen Gründen für kleine und mittlere Unternehmen kaum umsetzbar. Gleichzeitig ist Jugendwohnen auf dem Ausbildungsmarkt noch immer weitgehend unbekannt. Aus diesem Anlass ist eine Handlungsempfehlung für die Fachkräfte in Jugendwohnheimen erarbeitet worden, welche die Eckpfeiler zur Ausrichtung eines Unternehmerstammtischs von der inhaltlichen Vorbereitung bis zur Öffentlichkeitsarbeit aufzeigt.

Der Modellversuch "Ausbildung in Vielfalt" hat mit der Ausarbeitung dieser Bausteine wertvolle Produkte und Ergebnisse geliefert, von denen alle Akteure aus KMU profitieren können. Jugendwohnen ist gemäß dem Auftrag der Modellversuchsreihe insbesondere der mittelständischen Wirtschaft weiter erschlossen worden und hat das Angebot Jugendwohnen innovativer gemacht.

Der Modellversuch in Trägerschaft des VKH arbeitete als einziger in dem Gesamtprojekt trägerübergreifend und damit im ganzen Bundesgebiet vernetzt. Beteiligt waren die Jugendwohnheime
  • Kolping-Bildungswerk Thüringen e.V. (Erfurt)
  • Kolpinghaus Koblenz (Koblenz)
  • Katholisches Jugendwohnheim Bernhard-Letterhaus (Köln)
  • Katholisches Jugendwohnheim Landshut (Landshut)
  • Energiecampus des EWE-Konzerns (Oldenburg)
  • Kolping-Hotel und Bildungszentrum Schweinfurt (Schweinfurt)
  • IN VIA kath. Mädchensozialarbeit Haus St. Lioba (Würzburg)
  • CJD Geradstetten (Remshalden)
  • Elisabeth-Stiftung des DRK (Birkenfeld)"

Alle Konzepte sind zum Download im Anhang bereit gestellt.

Quelle:
Verband der Kolpinghäuser

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