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15.12. 2014

Ausbildung

Allianz für Ausbildung beschlossen

Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder haben eine neue Allianz für Aus- und Weiterbildung geschmiedet: Die neue Allianz für Aus- und Weiterbildung löst den zum Ende des Jahres 2014 auslaufenden Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs ab. Im Rahmen der Allianz will die Wirtschaft im kommenden Jahr 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten sowie jährlich 500.000 Praktikumsplätze zur Berufsorientierung zur Verfügung stellen. Jeder vermittlungsbereite Jugendliche, der bis zum Beginn des Ausbildungsjahres im Herbst noch keinen Platz gefunden hat, soll drei Angebote für eine Ausbildung erhalten. Der Einstieg in die assistierte Ausbildung soll auf den Weg gebracht werden; als ersten Schritt sind für das Ausbildungsjahr 2015/2016 bis zu 10.000 Plätze für die assistierte Ausbildung angestrebt.
Die neue Allianz für Aus- und Weiterbildung soll ein starkes Zeichen setzen. Allen jungen Menschen soll nach der Schule eine berufliche Perspektive geboten werden. Insbesondere für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf, mit Mitgrationshintergrund oder mit Behinderungen. Alle „Allianz“-Partner wollen sich in eine gemeinsame Kampagne einbringen, mit der sie bundesweit für die berufliche Bildung werben. Der Nachfolger des Ausbildungspaktes ist auf drei Jahre angelegt. Von 2015 bis 2018 will die Allianz die duale Ausbildung stärken und Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt mit der Assistierten Ausbildung bekämpfen.

Ziele der Allianz für Aus- und Weiterbildung
  • "die Bedeutung und Attraktivität der beruflichen Bildung deutlich aufwerten,
  • die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss weiter reduzieren,
  • jedem ausbildungsinteressierten Menschen im Rahmen der im Koalitionsvertrag angesprochenen Ausbildungsgarantie einen „Pfad“ aufzeigen, der ihn frühestmöglich zu einem Berufsabschluss führen kann (betriebliche Ausbildung hat dabei Vorrang),
  • die Passungsprobleme zwischen Bewerberinnen und Bewerbern und Unternehmen regional und berufsfachlich verringern,
  • auf der Grundlage einer weiter entwickelten Datenlage die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze und die Zahl der ausbildungsbereiten Betriebe erhöhen,
  • die Zahl der jungen Menschen im Übergangsbereich weiter reduzieren, und den Übergangsbereich möglichst an staatlich anerkannten betrieblichen Ausbildungsberufen orientieren,
  • die Qualität der Ausbildung weiterentwickeln,
  • die Weiterbildung und insbesondere die Aufstiegsfortbildung stärken."

Das Wichtigste aus der Allianz-Vereinbarung
" (...) Wirtschaft, Gewerkschaften, Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit und Länder wollen in der Allianz für Aus- und Weiterbildung entschlossen die duale Berufsausbildung zukunftsfähig erhalten und bei Jugendlichen und ihren Eltern, in den Schulen und Hochschulen und insgesamt in der Gesellschaft dafür werben.

Mit einer gemeinsamen Kampagne wird die Bundesregierung mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften zusammen mit den Ländern für die Stärkung der beruflichen Bildung werben. Der Wert der beruflichen Bildung soll wieder stärker in der Gesellschaft verankert werden. (...)

Jugendliche besser auf den Beruf und die Arbeitswelt vorbereiten
(...) Die „Allianz“ setzt sich dafür ein, dass jeder Jugendliche die für eine erfolgreiche betriebliche Ausbildung notwendigen Voraussetzungen mit auf den Weg bekommt und die Berufsorientierung in allen Schulformen gestärkt wird. (...)

Dazu starten die „Allianz“-Partner folgende Maßnahmen:
  • Die Länder entwickeln aufbauend auf ihren jeweiligen Programmen und Strukturen sowie in Zusammenarbeit mit dem Bund ein kohärentes Konzept für die Berufsorientierung und den Übergang von der Schule in den Beruf. Sie setzen dieses in enger Einbindung aller Akteure vor Ort um. Es geht vor allem darum, die Potenziale junger Menschen früh zu erkennen und eine individuelle, kontinuierliche Unterstützung bei der Berufs(wahl)orientierung sicherzustellen. Dies ist für Jugendliche mit Behinderung als wesentliche Grundlage für einen möglichst inklusiven Start in das Berufsleben von besonderer Bedeutung. (...)
  • Die Länder wirken darauf hin, dass die Berufsorientierung als fester Bestandteil in der Lehramtsausbildung oder Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie als Aufgabe der Schulen unter Einbindung der Bundesagentur für Arbeit verankert wird.
  • Die reale Arbeitswelt lässt sich am besten vor Ort im Betrieb erfahren. Qualitativ hochwertige betriebliche Praktika bieten sowohl für junge Menschen als auch für Unternehmen die Chance, nachhaltige Kontakte zu knüpfen und können ein Türöffner in den Ausbildungsbetrieb sein. (...)
  • Die Wirtschaft wird jährlich bundesweit 500.000 Praktikumsplätze für Schüler im Rahmen der Berufsorientierung anbieten. Damit solche Praktika einen echten Mehrwert für Unternehmen und Schüler haben, werden gemeinsame Qualitätsstandards von Wirtschaft, Gewerkschaften und Ländern entwickelt. (...)
  • Die Wirtschaft und die Gewerkschaften werden ihr Engagement in der frühzeitigen Berufs- und Arbeitsweltorientierung der Schüler und Schülerinnen in den regionalen Strukturen steigern. Die Wirtschaft wird dafür beispielsweise jeder interessierten Schule eine Kooperation mit Unternehmen ermöglichen.
  • Die Länder prüfen den Anpassungsbedarf ihrer entsprechenden Gesetze zur Verbesserung der Kooperation der allgemeinbildenden Schulen mit den Trägern der beruflichen Bildung und den Sozialleistungsträgern daraufhin, dass jeder junge Mensch durch frühzeitige Verzahnung der Maßnahmen die bestmögliche Unterstützung beim Übergang in das Berufsleben erhalten kann. (...) Ziel ist es, die Kooperation in den diversen Arbeitsbündnissen „Jugend und Beruf“ (wie zum Beispiel Jugendberufsagenturen) mit den allgemeinbildenden Schulen zu intensivieren. Hierzu werden die „Allianz“-Partner gemeinsame Erfolgskriterien beraten bzw. entwickeln. (...)

Allen eine Chance für betriebliche Ausbildung geben
Jeder Bewerber soll ein Angebot bekommen, das zu einem Berufsabschluss führen kann. (...) Dafür stellt die Wirtschaft ein ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen zur Verfügung. Sie wird dazu zusätzliche Anstrengungen unternehmen und will im Jahr 2015 20.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber den im Jahr 2014 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplätzen zur Verfügung stellen.
(...)

Die Wirtschaft macht jedem vermittlungsbereiten Jugendlichen, der zum 30.9. noch keinen Ausbildungsplatz hat, drei Angebote für eine betriebliche Ausbildung. Die berufliche und räumliche Mobilität des Jugendlichen ist dabei wichtig und wird ggf. durch Unterstützung der Agenturen für Arbeit oder der Länder flankiert werden. (...)

Der Bund und die Bundesagentur für Arbeit sichern im Rahmen der Initiative Bildungsketten bis zum Jahrgang 2018/2019 (Maßnahmebeginn in der Vorabgangsklasse) für junge Menschen, deren Hauptschulabschluss gefährdet ist, die Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung an den bisherigen Schulen bedarfsdeckend, und beziehen im Rahmen des Machbaren weitere Schulen mit ein. Ziel ist, diese jungen Menschen möglichst unmittelbar in eine betriebliche Berufsausbildung zu integrieren. (...)

Die Wirtschaft und die Gewerkschaften erleichtern die überregionale Suche von Ausbildungsplätzen durch spezielle Angebote, wie (...) Mobilitätshilfen für Jugendliche aus anderen Regionen. Denn Jugendliche in Blockunterricht sollen nicht mit weiteren Kosten belastet werden. Die Länder prüfen, vor diesem Hintergrund kostenlose, Regionen übergreifende ÖPNV-Tickets für diese Jugendliche in Ausbildung anzubieten. (...)

Die ausbildungsbegleitenden Hilfen werden durch die Bundesagentur für Arbeit ausgebaut. Alle Jugendlichen, die diese zur Aufnahme und zum erfolgreichen Absolvieren der Ausbildung benötigen, können sie in Zukunft erhalten. Der Bund wird dazu eine entsprechende Gesetzesinitiative auf den Weg bringen. (...)

Durch das neue Instrument der assistierten Ausbildung sollen gerade auch kleine und mittlere Unternehmen bei der Ausbildung von leistungsschwächeren Jugendlichen unterstützt werden. Um eine hohe Akzeptanz der assistierten Ausbildung zu sichern, wird das Fachkonzept für dieses Programm durch die Bundesagentur für Arbeit mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften abgestimmt. (...) Als ersten Schritt streben wir für das Ausbildungsjahr 2015/2016 bis zu 10.000 Plätze für assistierte Ausbildung an. Die Finanzierung für die assistierte Ausbildung erfolgt aus dem Haushalt der Bundesagentur für Arbeit und für junge Menschen aus dem Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende aus dem Eingliederungstitel der Jobcenter. Die „Allianz“-Partner wollen darüber hinaus das Instrument der assistierten Ausbildung verstetigen. Sie werden 2015 gemeinsam über die Ausweitung und über deren Finanzierung ab dem Ausbildungsjahr 2016/2017 entscheiden. Der Bund wird für das Instrument der assistierten Ausbildung eine entsprechende gesetzliche Initiative auf den Weg bringen. Die Erfahrungen mit der assistierten Ausbildung, den ausbildungsbegleitenden Hilfen und der Berufseinstiegsbegleitung werden von den „Allianz“-Partnern evaluiert. (...)

Für Jugendliche, die nicht sofort eine betriebliche Ausbildung beginnen, stellt die Wirtschaft jährlich 20.000 Plätze für Einstiegsqualifizierung (EQ) als Brücke in Ausbildung bereit. Die Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften werben bei den Betrieben für die Bereitstellung von EQ-Plätzen für benachteiligte junge Menschen (EQ Plus) und Jugendliche mit migrationsbedingten Problemlagen. Die Einstiegsqualifizierungen sollen insbesondere auf diese Zielgruppen fokussiert werden. Um die Besetzung der EQ- und besonders EQ-Plus-Plätze zu steigern, informieren insbesondere Kammern und Gewerkschaften die Jugendlichen über diese Möglichkeit. Betriebe stellen Bescheinigungen über erfolgreich absolvierte Einstiegsqualifizierungen aus. Die Kammern stellen auf dieser Grundlage auf Antrag des Jugendlichen oder des Betriebes Zertifikate aus. (...)

Berufliche Weiterbildung stärken
(...) Die „Allianz“-Partner wollen im Bereich der beruflichen Weiterbildung insbesondere die Nachqualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss verstärken. Sie setzen sich dafür ein, die Fördermöglichkeiten noch stärker zu nutzen und fortzuentwickeln, um vor allem junge Erwachsene ohne Berufsausbildung zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu führen.

Die Wirtschaft und die Gewerkschaften fördern ab dem Jahr 2015 mit Unterstützung des Bundes im Rahmen der ESF-Sozialpartnerrichtlinie „Fachkräfte sichern: weiterbilden und Gleichstellung fördern“ die Umsetzung von Maßnahmen zur Weiterbildung in der Praxis. Die „Allianz“-Partner werden die Erkenntnisse aus der Umsetzung dieses Programms nutzen und prüfen, wie Beispiele guter Praxis in die Fläche gebracht werden können. (...)"

Die „Allianz“ hat zwei Gremien: einen hochrangig besetzten Steuerungskreis und einen Ausschuss auf Arbeitsebene. Der Arbeitsausschuss bilanziert regelmäßig die laufenden Aktivitäten der „Allianz“ und identifiziert aktuelle Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung wird bis Ende 2018 laufen.

Quelle:
BMWI
Dokumente:

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